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Früher Progrock bei Repertoire
Ein Leckerbissen für Fans
Musikkennern erzählt man nichts Neues, wenn man auf die außerordentlichen Wiederveröffentlichungen des Labels Repertoire Records aufmerksam macht, sie werden wahrscheinlich mehrere Exemplare davon im Plattenschrank stehen haben. Und dennoch kommt man nicht darum herum, immer wider einmal auf die schönen Produktionen aus Hamburg aufmerksam zu machen.
Da lohnt es sich zum Beispiel einen Blick auf ?The Classic Collection" zu werfen. Dies ist eine Serie neu gemasterter Wiederveröffentlichungen von Klassikern aus der Rockmusik. Der erste Teil dieser Serie befasst sich mit Produktionen aus den frühen Jahren des Vertigo-Labels, einer jener Plattenfirmen, die sich schon früh um die Veröffentlichung progressiver Musik verdient gemacht haben. Dass es hier einige tolle Schätze wieder zu entdecken gibt, ist klar. Uns lagen zur Begutachtung drei Alben aus der Serie vor: das selbstbetitelte Debüt von Gentle Giant, ?Act One" von Beggar's Opera" und schließlich Magna Carta mit ihrem Werk ?Four Seasons".
Allein schon die Gestaltung der CDs verdient Aufmerksamkeit: Die guten Stücke kommen nämlich als original getreue Nachbildungen der Originale daher - nur entsprechend geschrumpft, versteht sich. Quadratisch, praktisch, gut - und vor allem ohne störendes Plastik. Sie gelangen im praktischen Klappcover auf den Markt. In der einen Seite findet man, in einer weiteren Innenhülle, die CD, gegenüber befindet sich das Booklet zum Tonträger. Das Ganze ist wesentlich schöner gestaltet als die herkömmliche CD und praktischer zu archivieren obendrein (was besonders den fleißigen Sammler freuen dürfte). So gestaltet kommt die CD vom ästhetischen Standpunkt aus der LP schon recht nahe.
Aber was nutzt die schönste Verpackung, wenn der Inhalt nicht stimmt? Kümmern wir uns nun also um die drei konkreten Beispiele. Alle drei sind zu einer Zeit entstanden, da der Progrock - oder auch Artrock, wie er damals noch genannt wurde - noch in seinen Kinderschuhen steckte. Entsprechend roh und ungeschliffen (das bezieht sich nicht unbedingt auf die Kompositionen, die durchaus schon ausgefeilt daherkommen konnten) erschien diese Musik Ende der 60er Jahre noch.
Bei Gentle Giant lässt sich eine gewisse Nähe zu Bands wir King Crimson nicht überhören. Sie bauten auf ein Instrumentarium, das auf zu viele elektronische Effekte, wie sie zum Beispiel Emerson, Lake & Palmer gern in ihr Repertoire aufnahmen, verzichtete. Gentle Giant zogen das normale Rockband-Equipment und zusätzlich Flöten, Geigen oder Blasinstrumente zum Musikmachen heran. Was herauskam war eine Form der Progrock, die eine gewisse Sympathie für den Hardrock nie verhehle, sich aber auch gern bei klassischen Elementen bediente. In dem Feld, das sich zwischen diesen Polen aufspannt, siedelte die Band ihre Kompositionen an. Meist erschienen die Songs so sehr energiegeladen, bisweilen sogar ein wenig heavy. ?Gentle Giant" stellt das wohl ungeschliffenes und radikalste Werk dieser Band, da, die es irgendwie nie schaffte, das gleiche Ansehen wie King Crimson zu erlangen, obwohl ihre Musik qualitativ durchaus mitzuhalten weiß. Erst später driftete das Ganze dann immer mehr in Richtung Mainstream und Beliebigkeit ab - aber darum geht es hier ja nicht. Dieses Debüt sollte sich jeder Progrock-Fan genehmigen.
Beggar's Opera, ungefähr zur selben Zeit wie Gentle Giant entstanden, setzten bei ihrer Musik deutlich mehr auf den Einsatz von Tasteninstrumenten. Auf Grundlage eines soliden Rhythmusfundaments ist es der Keyboarder Alan Parks, der hier für die Akzente sorgte. Auch die Gitarre setzten Baggar's Opera eher im Rhythmusbereich ein, ausufernde Experimente mit den sechs Saiten sucht man bei dieser Band vergeblich. Neben der Orgel weiß einzig noch der Sänger Martin Griffiths Akzente zu setzen. Stilistisch bewegt sich die Band aus Schottland in einem Bereich zwischen Rock und Klassik. So finden sich besonders in den beiden zentralen Stücken der Platte ?Raymond's Road" und ?Light Cavalry" zahlreiche Klassikzitate und-bearbeitungen. Damit stehen Beggar's Opera in einer schönen Tradition, die sie auch würdig zu vertreten wissen. Diese CD kommt mit zwei Bonustracks daher, die als weiteres Kaufargument dienen sollten. Für Fans abgedrehten Orgelns ist ?Act One" bestens geeignet.
Am konventionellsten unserer drei Bands erscheint Magna Carta, die waschechten Folkrock mit nur wenigen progressiven Elementen zum besten geben. Dabei bewegt sich ihre Musik manchmal gefährlich nahe an der Beliebigkeit. Das gilt insbesondere für die letzten Songs auf dem Album. Hier bieten Magna Carta bisweilen belanglosen 60s-Pop. Das zentrale Stück indes ist das titelgebende ?Seasons", das vom Lauf der Jahreszeiten inspiriert wurde. In einem Wechsel von vier Gedichten und damit korrespondierenden Songs gelingt es der Band die jeweiligen Jahreszeiten und ihre Eigenheiten wunderbar akustisch umzusetzen (und das Ganze ohne jegliche Vivaldi-Anklänge). Folkrock-Freaks werden an dieser Platte sicherlich ihre Freude haben.
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