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Erinnerungen an die Zukunft Pläne Records 88760 Fred Ape
Manchmal ist es Zeit, einmal zurückzublicken. Die Anlässe dafür können sehr unterschiedlich sein: Jahrestage müssen häufig für so etwas herhalten, auch Geburtstage und Jubiläen könne auf eine gewisse Tradition als Anlass für Rückblicke verweisen. Manchmal reichen auch wesentlich unspektakulärere Begebeinheiten, um die Gedanken ein paar Jährchen in die Vergangenheit schweifen zu lassen. Eine Schallplatte oder CD eignet sich zum Beispiel bestens hierfür. Auch diese Zeilen hier wären wohl kaum entstanden, wenn nicht die Wiederveröffentlichung eines alten Albums auf der Tagessordnung gestanden hätte. Hier soll es um die vor zehn Jahren erstmals veröffentlichte CD „Erinnerungen an die Zukunft“ der Dortmunder Folkrock-Gruppe Ape, Beck & Brinkamnn gehen. Die Aufnahmen dieser Compilation sind zwischen 1979 und 1987 entstanden. Diese acht Jahre stellen die erfolgreichste Zeit des Trios aus dem Ruhrgebiet dar. Mehr als 1200 Konzerte überall in der Republik sprechen da für sich. Immer, wenn es galt, den Mund aufzumachen und Farbe zu bekennen, waren Ape, Beck & Brinkamnn nicht weit. Viele ihrer Songs sind so etwas wie Hymnen der 80er Protestbewegung geworden. Titel wie „Rauchzeichen“, „Regenbogenland“, „Tanz in den Müll“ oder „Rettet die Wale“ legen Zeugnis vom Engagement der Band ab. Aber nicht nur die klar Stellung beziehenden Texte wurden zur ihrem Markenzeichen, auch deren musikalische Umsetzung trug wesentlich zum Erfolg bei. Jede Menge eingängige Melodien mit hohem Wiedererkennungswert prägen die einzelnen Songs. „Erinnerungen an die Zukunft“ gibt nun einen Überblick über die gesamte Schaffenszeit von Ape, Beck & Brinkamnn. Man wird Zeuge, wie die kämpferischen Töne der ersten Jahre mit der Zeit ein wenig poetischer werden, ohne dabei aber inhaltlich an Gehalt zu verlieren. Einige Live-Mitschnitte zeigen uns, wie enthusiastisch das Publikum bei den Konzerten bei der Sache war. Insgesamt haben wir es hier nicht nur mit einem Blick in die Geschichte einer der bekanntesten Folkrock-Bands der 80er Jahre zu tun, sondern können zusammen mit Ape, Beck & Brinkmann noch einmal die großen Themen der 80er Jahre Protestbewegung – Starbahn West, Anti-Akw-Bewegung und nicht zuletzt das aufkeimende Umweltbewusstsein – Revue passieren lassen. Und für Leute, deren nostalgische Ader nicht sehr ausgeprägt ist, bietet „Erinnerungen an die Zukunft“ schlicht und ergreifend gute Musik. Und noch jemand hält Rückschau: Fred Ape blickt mit seinem Soloalbum „So läuft das eben“ auf 30 Jahre Bühnengeschichte zurück. Diese Rückschau geschieht manchmal mit Wehmut, so zum Beispiel wenn er auf „Tschüss Peddo“ den frühen Tod seines Freundes Peter Brinkmann thematisiert, manchmal mit einem staunenden Unterton, wie im seiner Tochter gewidmeten Stück „Sie ist so jung“. Dass die CD auch bei solchen eher besinnlichen Songs nicht ins Melodramatische abdriftet, ist eine ihrer großen Stärken. Allerdings stellen diese eher melancholischen Momente nicht den Schwerpunkt des Albums dar, die beschwingten Titel, gerne auch mit einem satirischen Unterton vorgetragen, stehen doch im Vordergrund. Und auch das Dinge-beim-Namen-Nennen und Klar-Stellung-bezeihen hat Fred Ape nicht verlernt. Titel wie „Überhaupt nichts passiert“, „Der Treck“ oder „Was brennt?“ wenden sich in bekannter Schärfe gegen Missstände in dieser Republik und spannen so den Bogen bis hin zu seiner Zeit mit Ape, Beck & Brinkamnn. Schnell wird klar,
dass „So läuft das eben“ keineswegs das Alterswerk eines seiner Jugend
nachtrauernden Liedermachers darstellt, sondern eine Momentaufnahme aus
dem Leben eines engagierten Musiker, der auch nach dreißig Jahren
Bühnenpräsenz noch etwas zu sagen hat und zudem bestens
weiß, wie er seine Botschaft angemessen musikalisch untermalen soll.
Ein schönes und abwechslungsreiches Folkrock-Album!
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