| Home
Links
Tonträger
|
Beat Avenue Appleseed Records APR CD 1068 In der amerikanischen Singer- und Songwriterszene zählt Eric Anderson spätestens seit Ende der 60er Jahre zu den festen Größen. Gebeten, sich selbst musikalisch zu beschreiben, antwortet er: „Ich bin ein Songpoet, Sänger und Musiker. Ich bin häufig als Folksänger bezeichnet worden, aber ich halte mich selber nicht für einen.“ Anderson kam in den frühen 60er Jahren nach Greenwich Village, zu der Zeit also, als auch Kollegen wie Bob Dylan, Phil Ochs oder Tom Paxton erstmals von sich reden machten. Im Gegensatz zu diesen beschäftigte sich Anderson allerdings nicht mit Protestsongs oder der Wiederbelebung alter amerikanischer Folksongs. Er beschäftigte (und beschäftigt sich noch immer) eher mit Themen , die sich rund um Liebe, Lust und den Verlust der Unschuld drehen. Darüber hinaus tauchen immer wieder exotische Reise, Heimweh und der unaufhaltsame Fluss der Zeit als Themen in seinen Songs auf. Auch stilistisch lässt Eric Anderson sich nur schwer festlegen. Je nach Erfordernissen finden sich Elemente aus Rock, Pop, Jazz, Blues oder Country in seinen Songs wieder. Tabus scheint Anderson dabei keine zu kennen, und so können durchaus auch einmal Drumloops gleichzeitig mit einer County-Fiddle auftauchen. Diese ganze Vielfalt findet sich auch auf seinem aktuellen Doppel-Album „Beat Avenue“. Dabei enthält die erste CD ein Dutzend Tracks, die sich recht klar im Singer/Songwriter-Kosmos ansiedeln und zumeist einen deutlichen Folk- oder Americana-Touch aufweisen. Richtig spannend wird es dann auf der zweiten CD. Hier sind nur zwei Tracks zu finden, die es aber in sich haben. In erster Linie ist da natürlich der gut 26-minütige Titeltrack zu nennen. Erzählt wird hier – teilweise im Sprechgesang, teilweise gesungen - die Geschichte des 23. November 1963, des Tages aslo, an dem John F. Kennedy erschossen wurde. Auf Grundlage eines einfachen und relaxten Beats entwickelt sich der Song, im Vordergrund steht ganz klar die Story, die erzählt werden soll. Dezente Keyboardklänge und vereinzelte Einsprengsel von Saxophon, Flüte, Harmonika oder Gitarre setzen die Akzente und verleihen dem ganzen einen jazzigen Touch. Insgesamt stellt dieser Song so etwas wie eine Easy Listenig Variante des HipHop dar. Ganz anders kommt da das 10-minütige „Blue Rockin Chair“ daher. Hierbei handelt es sich um einen wesentlich düstereren Song, der im Country-Blues-Gewand gekleidet ist. Aber auch dieser Track lebt, wie „Beat Avenue“ von seiner dichten Atmosphäre, der man sich nur schwer entziehen kann. Insbesondere wegen
dieser zweiten CD ist das Doppelalbum ein unvergleichliches Werk geworden.
Man wird lange suchen müssen, bis man im Liedermacherbereich auf Ähnliches
stößt – einfach klasse!
|
|