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Wild Human Condition TUG Records TUG108 (VÖ: 23.02.04) The Nightingales
Vom Wesen her ist der Garagenrock eher schlicht. Technische Finessen sind weder seitens der Produktion noch des musikalischen Anspruchs zu erwarten. Wie der Name schon sagt, hat man es hier mit Produktionen zu tun, die auch in der heimischen Garage entstanden sein könnten (die frühen Garagenrock-Aufnahmen sind auch – wen wundert’s genau dort produziert worden). Von der Attitüde her ist eine gewisse Verwandtschaft zum Punk nicht zu leugnen, musikalisch schimmert auch bisweilen Punkiges durch. Ansonsten haben wir es mit geradlinigen, dreckigen Rock zu tun, der keinen Wert auf Filigranität legt. Dieser Tage kommen nun zwei Garagenrock-Produktionen aus dem hohen Norden zu uns. Boomhauer und The Nightingales sind in Finnland beheimatet und kommen mit einer Menge Power daher. Beide Bands wollen wir den geneigten Lesern in den folgenden Zeilen näher vorstellen. Boomhauer sind ein Trio und stammen aus Turku, einer altehrwürdigen finnischen Hafenstadt. Altehrwürdig kommen die drei Jungs allerdings ganz und gar nicht daher. Sie haben ihre Wurzeln eindeutig im 70er Jahre Punkrock. Dazu kommt ein Schuss Rock’n’Roll und eine Spur R’n’B, fertig ist ein hochexplosive Mischung. Kaum einer der Songs ist merklich länger als zwei Minuten, es geht also Schlag auf Schlag. Genau hier liegt aber auch eine entscheidende Schwäche der Band. Bisweilen wirken die Songs einfach ein wenig zu sehr dahingerotzt und zu stereotyp. Zwei Minuten reichen einfach nicht aus, um stilistisch ein wenig variieren zu können. Somit kommt nach anfänglicher guter Laune doch im Laufe der Zeit etwas gepflegte Langeweile auf (und das, obwohl die CD nur knapp 30 Minuten lang ist). Fassen wir also zusammen: Boomhauer zeigt einige gute Ansätze, wissen aber nicht nicht wirklich zu überzeugen. Ganz anders sieht es da bei den Nightingales aus. Sie spielen schon ein wenig länger zusammen und das hört man den Songs der Kapelle aus Rovaniemi (am Polarkreis gelegen, da, wo das Christkind wohnt) auch an. The Nightingales zeigen sich beim Songwriting wesentlich flexibler. Da gibt es dann auch mal Bläsersätze zu hören oder das Tempo wird um Einiges gedrosselt. Bisweilen swingt das Album sogar ein wenig. Die Wurzeln des Nightingales-Sounds liegen allerdings auch im Punkrock und so geht es auch hier richtig schön zur Sache. Insgesamt ist „Cartoon Of A Band“ ein Album geworden, das jedem Rockfan richtig Spaß machen dürfte. Trotz der leichten
Abstriche, die man machen muss, zeigen beide Scheiben wieder, dass in nicht
nur das Christkind wohnt, sondern auch erfrischender Rock von internationalem
Format zu Hause ist.
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