| Home
Links
Tonträger
|
Testimony InsideOut/SPV (VÖ: 22.09.03) In den letzten Wochen war auf den Seiten der Rock & Pop News häufig von Progrock die rede. Und fast immer hatten die Flower Kings direkt oder indirekt ihre Finger im Spiel. Dem Genre wollen wir auch nun treu bleiben, nur die Band, die uns als Ausgangspunkt für die folgenden Betrachtungen dienen soll, ist eine andere, in der Szene indes nicht minder bekannte: Spocks Beard. Deren Mastermind nämlich, Neal Morse, hat nun ein opulentes Soloalbum produziert, auf dem er so richtig alle Register seines Könnens zieht. „Tesimony“ hat er das Werk benannt und hier ist der Name wirklich Programm, denn Morse hat sich hier der Aufgabe gewidmet, Zeugnis über sein Leben abzulegen. Oder, um noch einmal genauer zu werden, „Tesimony“ stellt das musikalische Zeugnis vom Morses Hinwendung zum Christentum dar. Angesichts dieser Thematik mag der ein oder andere sich nun verzweifelt die Haare raufen, denn häufig gehen derartige Lebensbeichten in Kübeln von Schmalz unter und markieren so etwas wie den kreativen Untergang des Künstlers (auch Schriftsteller erliegen hier gerne den Reiz, sich ganz die schwülstige christliche Diktion zueigen zu machen und sich auf ewig in irgendwelchen vergeistigten Sphären zu verlieren – soviel sei hier als Randbemerkung gestattet, schließlich muss man ja auch gelegentlich über den Tellerrand hinwegschauen). Aber zurück zu Neal Morse, der im Übrigen auch als Keyboarder der als Supergroup gehandelten Transatlantic (zusammen mit Mitgliedern der Flower Kings (!), Dream Theatre und Marillion) fungiert. Der hat es nämlich geschafft, seine Botschaft ganz unaufdringlich und auf höchstem künstlerischem Niveau unter die Leute zu bringen. Da findet man keine verschwurbelte Kirchenmusik und Morse unternimmt auch nicht den Versuch missionarisch tätig zu werden, er schien lediglich den Drang verspürt zu haben seine Biographie in adäquater Weise in Töne zu kleiden. Um diese Aufgabe zu bewältigen zieht Morse auf „Testimony“ alle Register. Es gibt Orchesterarrangements, ein größerer Chor tritt auf den Plan und die Parts seiner Studioband sind exzellent besetzt. Und so haben wir es bisweilen mit recht bombastischen (aber nicht kitschigen) Orchesterpassagen zu tun, dann wider schaltet sich die band ins Geschehen ein und – hastdunichtgesehen – bietet man uns feisnten Band-Meets-Orchestra-Sound. Dann wieder halten Chor und Orchester sich ganz heraus und n ur die band zaubert schönen, bisweilen auch einwenige härteren Progressive Rock herbei und schließlich gewinnen auch manchmal die ganz leisen Töne die Oberhand. Aus all diesen Zutaten,
die nun wirklich die gesamte Bandbreite des Progrock repräsentieren,
hat Morse nun ein in sich stimmiges Werk geschaffen, das immer abwechslungsreich
daherkommt, aber nie wahllos zusammengewürfelt erscheint. Wer nun
anhand dieser Zeilen den Eindruck haben sollte, dass es sich bei „Testimony“
um ein kleines Meisterwerk handelt, irrt sich nicht. Diese Doppel-CD zählt
sicherlich zum Besten, was das Genre hervorgebracht hat.
|
|