Freitag, 27 Mai, 2005
Zwischen Hippiesound und Jodelchor
Es gibt Geschichten, die müssen einfach erzählt werden. Und es gibt Musik, die muss man einfach hören. Kommt beides zusammen, eine gute Geschichte und gute Musik, ist größte Aufmerksamkeit angesagt - wie bei Erika Stucky.
Erika Stucky wuchs in San Francisco der späten sechziger Jahre auf. Bands wie die Monkeys, Donovan, aber auch Franz Zappa und seine freakigen Sounds und Ideen bildeten den Soundtrack zu ihrer frühen Jugend. Doch dann kam der Kulturschock. Stucky zog mit ihrer Familie nach Mörel ins Oberwallis, eine Gegend, die nicht von einem unbedingten Fortschrittsstreben geprägt war. Anstatt Frank Zappa, Folk und psychedelische Klänge stand nun Blasmusik auf dem musikalischen Stundenplan. Trachtenvereine und Jodelchöre rundeten das Bild ab. Manch ein Mensch wäre an dieser Umstellung kulturell zerbrochen, nicht aber Erika Stucky. Sie setzte ihre Reise fort und landete in den achtziger Jahren in Paris. Dort ließ sie sich zur Jazzsängerin und Schauspielerin ausbilden. Ihre Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten und der Schweiz nahm sie mit nach Frankreich und so begann sich, langsam aber sicher, wie in einem Schmelztiegel aus all diesen so gegensätzlich scheinenenden Zutaten eine ganz eigene Musik heraus zu kristallisieren.
Sieht man sich das Tracklisting ihrer aktuellen CD „Princess" an, erhält man einen ersten Eindruck von Stuckys weit reichenden musikalischen Interessen und Vorlieben: Neben eigenen Songs finden sich dort u.a. Cover-Versionen von Prince („Sometimes It Snows in April"), Freddy Mercury („Killer Queen"), Michael Jackson („Bad") oder dem King Of Rock 'n' Roll Elvis („Jailhouse Rock"). Alle diesen verschiedenen Stücken gewinnt die Schweiz-Amerikanerin eine ganz eigene Note ab.
Die Grundlage ihrer Interpretationen bildet dabei für gewöhnlich ein Blaswerk aus Tuba, Posaunen und Trompeten, das recht häufig für eine düstere Atmosphäre sorgt und hin und wieder einige wunderbar schräge Passagen zustande bringt. Zusammen mit Schlagwerk, Gitarren, hin und wieder Akkordeon und einigen elektronischen Einsprengseln, die alle aber nur wohl dosiert eingesetzt werden, bereiten die Bläser der außerordentlichen Stimme Erika Stuckys das Feld. Sie, die der „Rolling Stone“ einmal zwischen Laurie Anderson, Meredith Monk und Tom Waits verortete und damit die Wahrheit noch immer nicht vollständig erfasste, drückt allen Songs ihren Stempel auf. Mal melancholisch, mal kämpferisch, mal traditionell-jazzig und dann wieder experimentell und schräg führt Sie den Hörer durch ihr Soundlabyrinth.
Wer einmal musikalisch ganz neue Erfahrungen machen möchte und auch vor ungewöhnlichen Klängen nicht zurückschreckt, ist bei Erika Stucky auf jeden Fall gut aufgehoben. Sie überschreitet mit Wonne jegliche Genregrenzen und kümmert sich um keine Konventionen. Das ist es, was ihre Musik so interessant und stark macht.
Erika Stucky: Princess; Traumton CD 4481
Wo der Hammer hängt
CD-Singles kommen im Rahmen der Rock & Pop News normalerweise nicht vor. Das liegt nicht daran, dass die Musik auf ihnen etwa schlechter wäre (wie sollte sie auch), sondern eher an deren unpraktischem Format. Kaum hat man das gute Stück in den CD-Player gelegt und auf die Start-Taste gedrückt, ist der Spaß auch schon wieder vorüber. Vier Songs, mehr finden sich selten auf den Scheiben. Wenn ich nun aber doch eine Ausnahme von dieser Regel mache, muss er sich um einen besonderen musikalischen Leckerbissen handeln. Und so ist es auch.
Audry Home, die Band, um die es hier gehen soll, kommen aus Norwegen. Sie haben sich der härteren Gangart in der Rockmusik verschrieben. Kompromisslos und hart ist ihre Musik, perfekt der Sound. Es geht mächtig zur Sache und trotzdem bleibt der Hörer von unkontrolliertem Adrenalinausstoß und übermäßiger Aggressivität verschont. Gerne flechten sie auch einmal ruhige und balladeske Momente in ihre Stücke ein. Audry Home bewegen sich auf hohem musikalischem Niveau, es macht einfach Spaß, ihnen bei der Arbeit zuzuhören.
Mit dieser Single zeigen die Norweger vielen Metal-Combos, wo der Hammer hängt. Sie macht auf jeden Fall eine Menge Appetit auf das demnächst erscheinende Album der Band. Ein Geheimtipp werden Audry Home nicht lange bleiben.
Audry Home: Confessions & Alcohol (CD-Single); Tuba Records
Freitag, 13 Mai, 2005
IN EXTREMO "Nur Ihr allein"
In Extremo werden Ende Mai mit einen neuen Album in Erscheinung treten. Vorab gibt es eine neue Single. Hier schon mal der Pressetext von Universal Music:
"Zu dienen ist uns eine Qual, ein Strick um den Hals - der kratzt nun mal..."
(In Extremo - "Nur Ihr Allein")
In Extremo machen einfach ganz genau das, wonach ihnen der Sinn steht. Und zwar immer genau dann, wenn ihnen der Sinn danach steht. Sie rocken. Mit alten und mit neuen Instrumenten. Mit einfach allem, was rocken kann, und was man in der Band spielen kann. Künstlich am Keyboard erzeugt wird bei den Berlinern kein einziger Ton. Und muss auch nicht - schließlich hat man es hier mit absoluten Multiinstrumentalisten zu tun, die nicht nur alles selbst spielen, sondern zu einem nicht unbeachtlichen Teil auch noch selbst bauen! In Extremo sind, wie kaum eine andere Gruppe, mit ihrer Musik verwachsen. In ihr treffen sich sieben völlig unterschiedliche Persönlichkeiten und verschmelzen zu einer extrem charakterstarken Mischung, die die Welt längst zu feiern gelernt hat. Und für diese Welt, ja genau, für euch alle, ist nun die passende Hymne entstanden: Nur Ihr Allein lautet ihr Name. Als Vorbote und erste Single des neuen Albums Mein Rasend Herz (VÖ am 30.05.) wird sie ab dem 17.Mai in zwei verschiedenen Versionen Einzug in die Plattenläden halten. Rockig und von Grund auf ehrlich ist sie geworden. So bodenständig, reif und direkt, wie sich selbst In Extremo bisher kaum präsentiert haben. Geprägt von den unzähligen Konzerten, die die Gruppe im Laufe der Jahre gespielt hat, und gefärbt von den vielen Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat, besticht sie durch Roughness und Authentizität. Eine Hymne, die sofort mitreißt, und die Großes verkündet. Die Hymne einer Band, die stetig an sich selbst gewachsen ist und jetzt darauf und daran ist, über sich selbst hinaus zu wachsen. DIE Hymne eines der ganz wenigen wahren Originale der Musikszene.
HipHop von rechts
HipHop stand lange in dem Ruf, irgendwie links und progressiv zu sein. Menschen wie der unvermeidliche Diedrich Diederichsen predigen seit Jahren die political correctness dieser Form von Jugendkultur und heben jeden, der halbwegs anständige Reime zustamde bringt, schleunigst auf den Schild.In der "Süddeutschen Zeitung" findet sich heute ein sehr lesenwerter Artikle, der ein für alle mal mit diesen Ammenmärchen aufräumt. HipHop ist schon lange von den Nazis hierzulande entdeckt und auch auch bisweilen instrumentalisiert wird. Hier geht's zur online-Version dieses Artikels.
