Freitag, 18 März, 2005
Krautrock-Impressionen
Oft und gerne wird hierzulande von Revolutionen schwadroniert. Da geistern »friedliche Revolutionen« oder »orange Revolutionen« durch die Gazetten und selbst die Einführung der Viererkette in das moderne Fußballspiel in Deutschland wurde bisweilen von den Kommentatoren als Revolution gefeiert. Es will fast so scheinen, als würde im biederen Deutschland alles, was eine Veränderung - und sei sie auch noch so klein - mit sich bringt, sofort als Revolution erkannt.
Hin und wieder wird sogar den guten alten 68ern ein gewisses revolutionäres Element zuerkannt. Das Klima damals war auf jeden Fall umstürzlerisch, über die Frage, wie tief greifend die Veränderungen auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet letztendlich gewesen sind, kann man sicherlich trefflich streiten - aber nicht in dieser Stelle. Hier geht es schließlich um Kultur, um Musik besser gesagt. In diesem Bereich hat es in den 60er und 70er Jahren wirklich so etwas wie eine Revolution gegeben und diese Revolution hat auch einen Namen: Krautrock.
Einer der profiliertesten Vertreter dieser neuen und wilden Musik aus Deutschland war die Gruppe Faust. Die Band hatte gründlich mit allen musikalischen Traditionen gebrochen und spielte weniger traditionelle Lieder, als vielmehr Soundcollagen ein. Dabei benutzten sie in ihrer Musik angefangen beim »normalen« Instrumentarium über Haushaltsgeräte bis hin zu Presslufthämmern alles, was Töne produziert. Ich möchte nun aber an dieser Stelle nicht die komplette Bandgeschichte rekapitulieren, obwohl sie wirklich sehr interessant ist. Wer sich gründlicher über Faust informieren möchte, möge bitte hier weiterlesen. Soviel sei nun aber doch verraten: Faust zählen zu den wenigen Formationen der guten alten Krautrock-Ära, die ohne nennenswerte Pause bis heute musikalisch am Ball geblieben sind.
In dieser Zeit entwickelte sich das Projekt stets weiter und stellte auch die neuen Technologien in den Dienst der eigenen Kunst. Dabei, und das muss auf jeden Fall erwähnt werden, sprangen Faust nie auf irgendwelche Modezüge auf, so zogen immer ihr eigenes Ding durch.
Nun, nach fast 35 Jahren Bandgeschichte, liegt die erste DVD der Band vor. 13 Songs aus allen Schaffensphasen von Faust (unter ihnen auch drei bislang Unveröffentlichte) bilden das Zentrum der DVD. Sie alle hat Werner „Zappi" Diermaier im 5:1-Sound neu bearbeitet und mit den passenden Bildern versehen. Entstanden sind einzelne Videos von hohem künstlerischen Wert, die dem Zuschauer im Zusammenhang mit der Musik viel Raum für eigene Assoziationen lassen. Bisweilen wirken die Videos, ebenso wie die Musik, ein wenig verstörend, dann wieder orientieren sie sich mehr an bekannten Formaten. Man darf sich aber nie in Sicherheit wiegen, die nächste Überraschung, der nächste Bruch in der Ausdrucksform ist nicht weit.
Gleich zu Beginn der DVD gibt es, als besonderes Schmankerl, den Zusammenschnitt eines verschollen geglaubten Dokuments von 1971. Der 5-minütige Film zeigt die Realisierung einer absurden Idee: den Besuch eines Eisbären aus Teneriffa bei seiner Lieblingsband Faust in Wümme bei Hamburg. Eine bessere Einleitung hätte diese DVD überhaupt nicht bekommen können.
Insgesamt ist es Diermaier mit »Faust Impressions« gelungen, die Musik seiner Band angemessen in Bilder umzusetzen. Eine tolle DVD, die der Gruppe sicherlich noch einige neue Fans bescheren dürfte.
