Donnerstag, 31 März, 2005

Krautrock-Improvisationen vom Feinsten

Vor allem in den siebziger Jahren zählte die Improvisationskunst zu den höchsten Gütern in der Rockmusik. Nur, wer zu langen Jamsessions fähig war, gehörte zu den wirklich Großen im Geschäft. Heutzutage ist nicht nur unser tägliches Leben schnelllebiger geworden, dieser »Geschwindigkeitswahn« hat auch vor der Rock-und Popmusik nicht Halt gemacht. Ein Song muss offenbar nunmehr kurz und schmerzlos sein und an seinen Hörern vorbeirauschen, ohne dabei merkliche Spuren zu hinterlassen. Nur dann wird er, so scheine es zumindest die Plattenbosse zu glauben, auch erfolgreich werden. In solch einer traurigen Situation fallen natürlich Gruppen, die sich nicht an dieses Credo halten, angenehm auf.

Eine dieser Bands kommt aus Weinheim und hört auf dem Namen »Space Debris«. Ihre Passion ist und war es schon immer, sich in langen Improvisationen zu ergehen und dabei hin und wieder ein nettes kleines Soundexperiment zu wagen. Während ihrer Aufnahmesessions planen die neuen Musiker nur wenig. Der Spaß an der Sache und die Freude am experimentieren stehen hier eindeutig im Vordergrund. Diese Lockerheit merkt man den Songs auf dem vorliegenden Album deutlich an.
Genannt haben sie ihr Werk »Krautrock-Sessions 1994-2001« und spätestens jetzt wird auch klar, in welcher Tradition sich »Space Debris« sehen (wenngleich sich ihre Musik auch ein wenig unbewusst in diese Richtung entwickelt hat, wie die Band auf ihrer Homepage erklärt). Dabei haben sie vor allem die Spontanität und Experimentierfreude des Krautrock in ihre Musik integriert. Darüber hinaus findet man Elemente des 70s Progrock und auch Passagen, die an Bands wie Deep Purple (und Songs wie »Space Trucklin'«). Der Spacerock schließlich hat natürlich auch seine Spuren nicht nur im Namen der Band hinterlassen.
Und so erwarten den Hörer wunderbare und bisweilen abgefahrene Hammondorgel-Passagen, lange Gitarrensoli, an denen sich gerne auch einmal mehrere Gitarreros beteiligen, und eine solide Rhythmusarbeit, wie sie für gelungene Improvisationen unerlässlich ist. Hin und wieder findet man sogar ein wenig Gesang, der steht aber ganz und gar nicht im Vordergrund.
Insgesamt befinden sich auf der CD 84 Minuten feinster Rockimprovisationen, wie man sie bisher nur von den großen Meistern dieser Zunft gewohnt war. »Krautrock-Sessions 1994-2001« ist ein Album, das man immer wieder hören möchte und das bei jedem neuen Hördurchgang noch Überraschungen für den Hörer bereithält. Fazit: Unbedingt kaufen!

Ursprünglich ist das Album übrigens auf Vinyl veröffentlicht worden, was im Grund genommen auch wesentlich bessser zum Sound der Band passt. Auch die Dopple-LP kann im Netz (s.u.) geordert werden.
Und nun noch eine gute Nachricht zum Schluss: Ein neues »Space Debris«-Album ist in der Mache. Sobald man mehr weiß, werde ich es hier posten.

Kaufen könnt ihr das Album hier.
Und hier gibt es einige mp3’s zum Reinhören.

Verfasst von Jürgen Brück um 11:59.23
Bearbeitet am: Montag, 04 April, 2005 10:45.43
Rubrik: CDs, Vinyl