Ein Hoch dem Durcheinander – eine Art Manifest
Wohlgeordnet, mit den passenden Etiketten versehen und dann in die richtige Schublade gesteckt – da fühlt sich die Krämerseele so richtig wohl. Die Bücher im Regal sind natürlich penibel nach Größe und Farbe sortiert (Intellektuelle bevorzugen hier bisweilen auch ein alphabetisches System). Hauptsache es gibt keinen Kuddelmuddel, kein Chaos, keine UNORDNUNG.
So, wie im „richtigen“ Leben, wollen auch viele Menschen das Internet schön sauber und sortiert vorfinden. Artikel, die auf einer Seite daherkommen, sollen gefälligst sauber und ordentlich in Kategorien einsortiert und nach Größe und Farbe – oder zumindest alphabetisch – sortiert sein.
All das ist das „Kreuz & Quer Blog“ nicht. Ätsch, möchte man an dieser Stelle sagen, wenn man als Autor nicht auch eine gewisse Verantwortung für die geistige Unversehrtheit seiner Leser hätte. Daher lässt man es besser. Im „Kreuz & Quer Blog“ wird das Hohelied der Unordnung gesungen. Es gibt keine Kategorien, alle Einträge (die noch nicht einmal annähernd regelmäßig erscheinen) stehen einfach so untereinander. Da kann eine Plattenkritk direkt über dem Kommentar zur politischen Lage der Nation platziert oder ein Newseintrag zur neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis in Sachen Nanotechnologie von einer Polemik gegen Zeitgenossen, die es natürlich bedient haben, flankiert sein. Und der geschätzte Leser muss sich durch den ganzen Schlamassel hindurchkämpfen.
Wenn er es will, denn müssen muss er natürlich gar nichts. Ein Klick und das Blog ist weg, im Nirwana des WWW auf nimmer Wiedersehen verschwunden. So einfach geht das. Aber vielleicht wäre das ja ein Fehler, denn wer weiß, welche Erkenntnisse das Blog in der kommenden Woche zu bieten hat? Und auf welchem Gebiet? Vielleicht sollte man ja doch hin und wieder zurückkommen zum „Kreuz & Quer Blog“ – und sei es nur, um sich über das Durcheinander zu ärgern.